100 Jahre FC St. Pauli
Der Fußball "boomt". Er ist Publikumsmagnet, Quotenkönig und Großevent. Nicht selten überragen seine Ergebnisse und Ereignisse die politische und kulturelle Berichterstattung in den verschiedenen Medien. Spätestens seit den 1990er Jahren dreht sich diese Spirale aus Publikumsinteresse und Medienaufmerksamkeit unaufhaltsam weiter – und erzeugt oder verstärkt dabei die so genannten Kehrseiten der Fußball-Medaille. Denn immer wieder ist er auch Schauplatz von Finanz- und Manipulationsskandalen oder Gewalt, Rassismus und Diskriminierung auf und neben dem Rasen.

Die Faszination des Fußballs ist bei allen Begleiterscheinungen gerade auf das ursprüngliche Spiel an sich zurückzuführen. Aus der Grundkonstellation des 11 gegen 11 ergeben sich unzählige Spielsituationen, die Akteure und Zuschauer gleichermaßen begeistern und herausfordern. Ein weiterer Reiz des Fußballs liegt in der Wechselwirkung zwischen Spielern und Publikum. Kollektiver Rauschzustand, Euphorie und Hysterie sind Attribute, die dieser sensiblen Beziehung zugeschrieben werden, die jedoch leicht ebenso in Ablehnung und Konfrontation umschlagen können.

In dieser Welt des Fußballs haben sich einige Inseln erhalten können, die für eine noch halbwegs authentische und ursprüngliche Mischung aus leidenschaftlichem Sport und Publikum stehen. Der FC St. Pauli gilt als eine dieser besonderen Inseln – ein Stadtteilklub in einem bisweilen abenteuerlichen Umfeld und Stadion. Um einen über Jahrzehnte chronisch erfolglosen Verein entwickelte sich aus benachbarter Protestbewegung und Alternativkultur eine einzigartige Fanszene, deren bemerkenswertes Engagement gegen Rassismus und Kommerzialisierung sich nicht nur im Stadion zeigt.

Die Frage ist: Wie lange kann eine solche Insel im wenig rücksichtsvollen Fußballgeschäft bestehen? Und was war, ist und wird die wirkliche Essenz dieses FC St. Pauli sein? Längst ist auch er zu einem Spagat gezwungen – einem Balanceakt zwischen Bewahrung der speziellen Fußballkultur, der sozialkritischen Haltung einerseits und nicht nur durch Auflagen erzeugtem Professionalisierungs- und Ökonomisierungsdruck andererseits.

Vielleicht gelingt es dem FC St. Pauli auch mit 100 Jahren, der "etwas andere Fußballverein" zu bleiben. Angesichts der zum Jubiläum zu erwartenden Häufung an Wort- und Textbeiträgen soll mit dieser Ausschreibung die Gelegenheit gegeben werden, sich multimedial mit dem FC St Pauli zu beschäftigen und sich seinen Besonderheiten über visuelle Zugänge zu nähern. Es soll dabei jedoch nicht um eine (Selbst-)Beweihräucherung des Vereins und damit um die Fortsetzung eines "Kults" gehen. Vielmehr sind Künstler, Kunststudierende und alle anderen, die sich kreativ einbringen möchten, aufgerufen, sich mit dem Ausschreibungsthema, dem FC St. Pauli und seinem Platz in der Welt des Fußballs, frei auseinanderzusetzen.


Auslobung Kunstpreis
Die Abteilung Fördernde Mitglieder des FC St. Pauli (AFM) veranstaltet in Kooperation mit dem Hamburger Kunstmagazin GUDBERG anläßlich des 100-jährigen Vereinsjubiläums 2010 einen freien Kunstwettbewerb.

Die Ausschreibung läuft vom 01. Dezember 2009 bis zum 31. März 2010.

Teilnahme
Der Wettbewerb ist ein offen ausgeschriebener, internationaler Kunstwettbewerb für Künstlerinnen und Künstler sowie KunststudentInnen. Aus dem Kreis der BewerberInnen werden Anfang April 2010 die besten Arbeiten und ein Gewinner ausgewählt. Erwartet werden inhaltlich ungewöhnliche Sichtweisen, die in unterschiedlichen Disziplinen umgesetzt wurden. Eingereicht werden können beispielsweise Plakate, Poster, Zeichnungen, Malereien, Skulpturen, Installationen, Sticker, Fotografien, Illustrationen, Kurzfilme (bis 5 min.), Kunstbücher, grafische Einzelarbeiten, Typographie-Arbeiten. Videoarbeiten bzw. Filme in anderen Sprachen als deutsch oder englisch müssen deutsch oder englisch untertitelt eingereicht werden.

Einreichung
Zur Einreichung zugelassen sind Arbeiten zum Thema: "100 Jahre FC St. Pauli", getreu der Ausschreibung. Die Einsendung der Arbeiten ist kostenlos. JedeR EinsenderIn hat die Möglichkeit, maximal 5 Arbeiten (eine "Serie" zählt hierbei als eine Arbeit) einzureichen.

Nominierung und Gewinnerermittlung
Alle bis zum Einsendeschluss eingegangenen und die Teilnahmevoraussetzungen erfüllenden Beiträge können für die Preise nominiert werden. Ein Ausschuss wählt unter Ausschluss der Öffentlichkeit die besten Arbeiten der gesamten Einsendungen aus. Diese werden einer vom Veranstalter ausgewählten Jury zur Begutachtung vorgelegt, die daraus die Gewinnerarbeiten aussucht. Die Gewinnerarbeiten werden anschließend im Rahmen der Ausstellung zu 100 Jahren FC St. Pauli für 5 Monate in den temporären Museumsräumen auf dem Stadionvorplatz ausgestellt. Ebenso werden sie in dem kleinen Kunstbuch "Kunstpreis 100 Jahre FC St. Pauli" veröffentlicht. Es besteht kein Rechtsanspruch auf die Teilnahme am Wettbewerb.

Jury
Die Zusammensetzung der Jury wird in Kürze veröffentlicht. Die Jury besteht aus 8 Personen, die vom Veranstalter ausgewählt werden. Die Jury entscheidet über die Gewinnerarbeiten in allen Kategorien. Die Entscheidungen der Jury sind endgültig und nicht anfechtbar.

Preise
Alle Gewinnerarbeiten werden dauerhaft in den Räumlichkeiten des FC St. Pauli ausgestellt. Die ausgewählte Siegerarbeit bekommt einen prominenten Dauerplatz in der neuen Haupttribüne, der Künstler Ruhm und einen Geldpreis von EUR 1910,-. Alle eingereichten Arbeiten können nach dem Start der Ausstellung online angesehen und kommentiert werden.