Da der FC St. Pauli derzeit über keine adäquaten Räumlichkeiten verfügt, die den Erfordernissen unserer Ausstellung in Größe und Anlage Genüge tun würden, sind wir zum Entschluss gekommen, eigens dafür ein temporäres Ausstellungsgebäude auf dem Vorplatz der Südtribüne zu errichten. Von der zeitweiligen Idee einer externen Lösung hatten wir Abstand genommen. Denn wir sind der Meinung, dass eine Ausstellung über den FC St. Pauli, die zudem maßgeblich durch die vielen Anhänger, Freunde und Sympathisanten des FC St. Pauli realisiert wird, auch auf das Gelände des FC St. Pauli gehört.

Dort werden wir nun für die Zeit von Juni bis November 2010 ein Domizil für unsere Ausstellung bauen, das mehr sein wird als eine zweckmäßige Behausung: Es soll ein "echtes" Zuhause sein: Die bedeutenden Geschichten und wichtigsten Ereignisse in und um unser Stadion - festgehalten und dokumentiert in zahlreichen Veröffentlichungen, Filmen, Fotografien, Dokumenten und Objekten; verbreitet in der Welt und lebendig in den Erinnerungen unzähliger braun-weißer Köpfe und Herzen - werden erstmals zusammengeführt und zurückgeholt an den Ort, an dem sie entstanden und erlebt wurden: ans Millerntor!

Tragendes und darstellendes Bauelement unseres Gebäudes wird der Frachtcontainer sein. Genauer gesagt werden rund 40 See-Container vorübergehend zu Seh-Containern umfunktioniert, in denen auf etwa 500 m2 und auf mehreren baulichen Ebenen die Geschichte und Kultur unseres Vereins vergegenwärtigt wird. Dabei beschränkt sich die Container-Architektur nicht darauf, lediglich einen Innenraum zu umhüllen, sondern öffnet sich auch nach außen, um als Bühne für diverse Darstellungen und Veranstaltungen zu agieren.


Warum Seecontainer?

Seecontainer haben in jüngster Zeit zunehmend Einzug gehalten in die moderne Architektur, da sie sich im Einsatz für neuartige, unkonventionelle Baulösungen bestens bewährt haben. Als fertiges Modul aus Boden, Decke, Wand und Tür erfüllen sie bereits die Grundanforderungen eines häuslichen Prototyps; obendrein sind sie robust und stabil, einfach und zügig auf- und abbaubar, stapelfähig, flexibel ausbaubar und kostengünstig.

Für uns hat der Seecontainer aber noch ganz andere Reize.

Von dem Amerikaner Malcom McLean 1956 eingeführt, bereiste und eroberte der Container in einem Eiltempo die Welt und ist in seiner standardisierten Form inzwischen das Transportmittel zum Austausch von Waren geworden. Er verkörpert somit den Ursprung weltweiter Vernetzung; ohne ihn gäbe es vermutlich nicht die Globalisierung, wie wir sie heute verstehen. Denn das Prinzip der Standardisierung greift unterdessen fernab von Transport und Handel in allen gesellschaftlichen Bereichen. Aus einer gelebten Alltagskultur heraus, gewissen Mustern von Beliebigkeit und Gleichförmigkeit mit individuellen Lösungsansätzen entgegenzusteuern, bietet es sich für den FC St. Pauli geradezu an, die Uniformität der genormten Container stellenweise zu durchbrechen und generell umzufunktionieren: Statt Waren werden wir Geschichten, Erlebnisse und Wissen austauschen und Stimmen und Meinungen rund um die sportlichen, strukturellen und kulturellen Belange des FC St Pauli in die Welt hinaus transportieren.

Aber zugegeben: ein wenig Romantik war bei der Wahl für Seecontainer auch dabei, die nämlich - im Unterschied zu handelsüblichen Bau- und Bürocontainern, wie sie über lange Zeit auch Teile des Lebens und Arbeitens des FC St. Pauli beherbergten – mit dem Charme des Weitgereisten behaftet sind. Und ähnlich der Geschichte unserer Container, die auf ihrer Reise um die Welt einige Spuren und Kratzer davongetragen haben, ist auch der FC St. Pauli im Laufe seines 100jährigen Lebens nicht ganz ungezeichnet geblieben.

Wir freuen uns sehr darüber, die Kölner Architekten Komma4 für die konzeptionelle Planung und Durchführung unseres Bauvorhabens haben gewinnen können und danken den Firmen Conical und Hanse-Repair dafür, dass sie uns in den Farben des Vereins Container aus aller Welt besorgen und bedarfsgemäß umbauen werden.



Ausstellungsstück FCSP 1910-2010.

Den Anfang für unser Ausstellungsprojekt macht ein Container, der ab sofort auf dem Südkurvenvorplatz zu besichtigen ist.

Dieser Container ist Ausstellungsstück im doppelten Sinn: Schon jetzt ist er ein Stück Ausstellung – denn hier könnt Ihr Euch informieren und ein Gefühl dafür entwickeln, was Euch ab Juni 2010 erwarten wird. Er ist aber auch ein Stück der Ausstellung – denn später wird er in genau dieser Form, aber in anderer Funktion, als Teilstück in das Gebäude integriert.

In der Zwischenzeit wird er uns als Werkstatt dienlich sein, in der wir verschiedene Dinge ausprobieren möchten. Zum Beispiel möchten wir uns in Gestaltungsfragen mit den ungewöhnlichen Proportionen vertraut machen; hier werden wir testen, wie bestimmte technische Dinge am Besten zu handhaben sind; und wir möchten sehen, wie sich unterschiedliche Materialien unter verschiedenen klimatischen Bedingungen verhalten.

Wie alle handelsüblichen Seecontainer trägt auch das "Ausstellungsstück" eine Identifikations-Nummer aus vier Buchstaben und neun Ziffern. Für die Zeit am Millerntor werden unsere Container jedoch nicht mehr die nach dem Zufallsprinzip ausgegebenen Handelsnummern tragen, sondern ausgewählte Bezeichnungen, die sie in Beziehung zum "Transportierten" setzen.