
Der FC St. Pauli ist weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt als Heimat einer besonderen Fußball- und Fankultur. Diese Kultur des FC war und ist sowohl Gegenstand von wissenschaftlichen Auseinandersetzungen, medialer Mythenbildung als auch zahlreicher tradierter Legenden in unzähligen Köpfen der großen Fußballgemeinde.
Zusammengeführt aus vielen verschiedenen Strängen ist sie vor allem aber eines:
Ständig und facettenreich präsent in und um das Millerntorstadion und überall dort, wo Herzen für den FC St. Pauli schlagen. Diese Kultur gilt es zu bewahren!
Keine goldenen Pokale, nicht die zehnte Meisterschale...!
Im Unterschied zu vielen anderen Vereinen und Anhängern einer rein erfolgsorientierten Sportkultur sind es beim FC St. Pauli nicht die materiellen sondern vornehmlich die immateriellen Dinge, die unseren Verein charakterisieren und auszeichnen.
Deshalb wird es auch primäres Anliegen unserer Ausstellung sein, unsere Besucherinnen und Besucher für die Bedeutung und den Erhalt einer immateriellen Kultur zu sensibilisieren.
Übrigens: Im Jahre 2003 haben 30 Staaten (Deutschland allerdings bislang nicht) das Pariser Übereinkommen der UNESCO ratifiziert, in dem es auszugsweise lautet:
"Das Programm zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes rückt über Jahrhunderte überlieferte Traditionen, die unmittelbar von menschlichem Können getragen werden,
weltweit in den Blickpunkt. Ziel [...] ist es, die Vielfalt der lebendigen kulturellen Ausdrucksformen wie Tanz und Theater, Musik, mündliche Literaturformen,
Sprachen, Bräuche, Feste, Handwerkstechniken und Wissensformen als Teil des Kulturerbes der Menschheit zu erhalten..."
Es ist für einen Traditionsclub wie den FC St. Pauli längst an der Zeit, sein kulturelles Erbe aufzuarbeiten und zu bewahren,
- um es vor dem Vergessen, dem Verfall und dem Verlust zu schützen,
- um es von einer Fan-Generation an die nächste weiter zu geben,
- damit sich Einzelne und Gruppen kontinuierlich mit der eigenen Geschichte auseinandersetzen und diese Geschichte fortwährend neu erschaffen werden kann,
- um die Identität unseres Vereins zu fördern und nachhaltig zu festigen.
Wir sind museumsreif!
Wir sind also nicht nur deshalb museumsreif, weil wir inzwischen alt genug dafür geworden sind. Wir sind es vor allem deswegen, weil wir jenseits des sportlichen Erfolges Leistungen erbracht und Werte geschaffen haben, die es wert sind gesammelt, bewahrt, dokumentiert und vermittelt zu werden.
Um unser Erbe einer besonderen Fußball- und Vereinskultur zu erhalten, müssen zunächst die dafür erforderlichen Instrumente geschaffen werden.
Parallel zur Ausstellung werden wir ein Archiv aufbauen: Sowohl ein reales, materielles Vereinsarchiv als auch ein virtuelles, das die Bestände des eigenen sowie jene anderer Archive und Sammlungen dokumentiert. Das virtuelle Archiv in Form einer online-basierten Datenbank funktioniert darüber hinaus als eines der wichtigsten Werkzeuge, das alle technischen und logistischen Aufgaben in Rahmen der Ausstellungsvorbereitung hilft zu organisieren. Da das Sammeln, Sichern und Dokumentieren von vereinsrelevanten Artefakten niemals abgeschlossen werden kann, muss das Archiv respektive die Datenbank auch zukünftig weiter gefüllt und gepflegt werden. Erstrebenswert ist es darüber hinaus, das Archiv zu einem späteren Zeitpunkt öffentlich zugänglich zu machen und Interessierten die Möglichkeit einer weiteren (wissenschaftlichen) Auseinandersetzung mit der Vereinsgeschichte zu ermöglichen.
Wünschenswert und sinnvoll wäre es, die Basis der "Jahr100-Ausstellung" später in eine Dauerausstellung zu überführen, die innerhalb der musealen Institution regelmäßig aktualisiert und um weitere thematisch ergänzende und vertiefende Sonderausstellungen bereichert wird. In dem Museum könnte schließlich auch die fortzuführende Pflege und Erforschung des Vereinsarchivs gewährleistet werden.










